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Sandkasten-Spiele

Berliner Zeitung (August 2001)

"Sandkasten-Spiele"
Vom Strand in die Stadt: Beachvolleyball ist zum Feierabend-Sport geworden

Knackige Bikinischönheiten sind es nicht gerade, die sich da in den Sand werfen. Das die Leute von der Telekom überwiegend Schreibtischtäter sind, sieht man ihnen an: Ein bisschen zu blass sehen sie aus und ein bisschen zu behäbig schmettern sie den bunten Ball übers Netz. Aber die Belegschaft zeigt vollen Einsatz und trotzt den Regenschauern, die über die Beachvolleyballanlage an der Chausseestraße in Mitte niedergehen. Abteilungsleiter Axel Birkholz steckt in einer Turnhose und hat gute Laune: ,,Das ist Berlin.''

Schon im vergangenen Jahr führte der Betriebsausflug des Telefon-Anbieters zu ,,Beach Mitte''. Mittlerweile vermiete er etwa dreimal pro Woche an Firmen, sagt Betreiber Olaf König. ,,Da sitzen dann die Anzugträger nach dem Spiel in verschwitzten T-Shirts herum, trinken Bier und sind glücklich.'' 1996 hat König zwei Sandplätze angelegt, 19 sind es jetzt. ,,Jeder kann spektakuläre Aktionen hinlegen, auch als Anfänger hat man sofort Spaß'', sagt er.

Bis Mitte der 90er-Jahre war das Ballspiel ein reiner Urlaubssport. Inzwischen ist Beachvolleyball vom Strand in die Großstadt gezogen. ,,Die olympischen Spiele 2000 in Sydney haben einen richtigen Schub gegeben'', sagt Svenja Fekl vom Berliner Volleyballverband.

In Berlin gibt es mindestens ein Dutzend Anlagen mit bis zu 20 Spielfeldern, die um die 20 Mark Miete pro Stunde kosten. Nach Feierabend sind meist alle belegt, reservieren lohnt sich. Seit Volleyball als eigene Sportart anerkannt ist, kann sogar im Winter gespielt werden, in so genannten Indoor-Anlagen.

Hin und wieder belegt die deutsche Beachvolleyball-Elite die Plätze, zuletzt vor einigen Wochen beim D2 Masters an der Jannowitzbrücke. ,,Der eigentliche Trend ist aber, dass Beachvolleyball allmählich zum Breitensport wird'', so Svenja Fekl.

Nach Feierabend kommen die Büromenschen, vormittags verlegen die Schulklassen den Sportunterricht in den Sand. Die echten Fans kommen zum Flutlichtturnier. Jeden Mittwoch veranstaltet Beach Mitte  einen nächtlichen Wettkampf für 24 Mannschaften. ,,Das sind Spielverrückte, so ein Turnier geht bis nachts um drei'', sagt Olaf König.

Immer neue Varianten des Sandkasten-Spiels entstehen: Beach-Badminton, Beachbasketball, Beachtennis. ,, Beachsoccer hat sich nicht wirklich durchgesetzt'', sagt König. ,,Gefragt ist vor allem der Volleyball-Klassiker.'' Dabei komme es nicht darauf an, das im Turniermodus zwei gegen zwei gespielt wird. Auf den Sandplätzen der Stadt wird zu sechst oder acht gebaggert und geschmettert.

Strandmacht Urlaubsstimmung - auch wenn er gar nicht von der Küste kommt, sondern aus einer Kiesgrube. Nach jeder Saison muß König seine 19 Plätze neu aufschütten lassen. ,,Die Spieler tragen den Sand mit ihren Klamotten vom Feld und der Wind tut sein Übriges.'' Der Nachschub füllt in jedem Jahr zehn LKWs.